Von Abschieden und Neuanfängen

PARKS gehen in die Reflexionsphase und schließen die Saison 2019 mit einem bunten Programm am Bullerdeich.

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Von Abschieden und Neuanfängen

Wie die Zeit vergeht… Kaum eröffneten PARKS Mitte Juli offiziell am Bullerdeich, so geht das Projekt nach zwei Monaten voller Tatendrang und Ideen in die Reflexionsphase. Doch bevor es am Bullerdeich ruhig wird, wollten wir am 05. Oktober gemeinsam mit unseren Nachbar*innen vom Hochwasserbassin PARKS hoch leben lassen und uns von den vergangenen zwei Monaten krönend verabschieden.

Buntes Programm auf dem Alten Recyclinghof

Der Herbst hat Hamburg bereits fest im Griff, doch pünktlich zum Abschied reißen am Samstagnachmittag die Wolken auf und der blaue Himmel spiegelt sich in den Wasserpfützen auf dem Alten Recyclinghof. Die beiden Hallen rahmen links und rechts den Platz und zeigen wie ein Palimpsest, was früher hier gewesen war. Wassertropfen längst vergangener Regenbrüche lassen die Blüten der Feuerbohnen im Sonnenlicht aufblitzen. Große Kürbisse drücken sich zwischen hochrankenden Pflanzen gegen den Drahtzaun, um in die Freiheit zu rollen. Ein grüner Vorhang bahnt sich langsam den Weg nach oben und scheint die beiden Hallen miteinander verbinden zu wollen – die vergangene Einheit des Alten Recyclinghofes, die durch die neue Nutzung ein sinnvolles Ganzes ergeben kann.

In Halle 4 schwingen die transparenten Infotafeln langsam hin und her, als würden sie PARKS zum Abschied winken – bis bald, wir halten hier die Stellung. Die Ausstellung ist mittlerweile um weitere Tafeln und Themen gewachsen, sodass Besucher*innen darüber PARKS mitsamt allen Akteur*innen, Sorgen und Visionen besser kennenlernen können. PARKS sind Viele. Vor der Halle spielen zwei Teams gegeneinander Tischtennis – klockklock klockklock hallt es schüchtern über den Platz. In der Open Köök werden hungrige Spaziergänger*innen mit Pfannkuchen, Chili sin Carne und Tortillas versorgt. Wem das nicht reicht, holt sich noch ein Spiegelei auf frischem Bauernbrot. Die Erkundung startete in Rothenburgsort und thematisierte die Steighilfe „Superblock“, die gemeinsam mit Studio umschichten und der Initiative „Monopol für alle“ entwickelt werden sollte.

Bei ZOLLO gibt es gekühlte und erhitzte Getränke und einen Ausblick zur Steighilfe Leuchtturm, die sich auf die weiß leuchtende Tankstelle auf der gegenüberliegenden Billeseite bezieht und gleichzeitig durch ihre Form, Materialität und Lichtgebung an eine interpretierte Version der benachbarten Fabrikhallen erinnert. Bei Wind drehen sich die Lamellen und der Leuchtturm leuchtet den Weg zu PARKS. Eine BMX Crew demonstriert davor ihre Tricks und Skills. Parallel dazu findet im Hochwasserbassin am Atelierhaus Bullerdeich eine Führung statt. Wie sehen die Atelierräume aus? Wer arbeitet da? Wie lange wird hier schon gearbeitet? Und bleibt das Haus bestehen? Fragen zur Geschichte und den derzeitigen Tätigkeiten werden geklärt, aber auch Sorgen und Ängste um die Zukunft des Atelierhauses diskutiert. Wie geht es weiter? Wie kann ein Erholungs- und Arbeitsraum zusammen gedacht und umgesetzt werden?

Wie lassen sich PARKS verbinden?

Die Querung des Bullerdeichs ist insbesondere während der Woche oftmals eine große Herausforderung. LKWs, Busse und PKWs donnern mit hoher Geschwindigkeit über das Kopfsteinpflaster, als sei dieser Ort nur für motorisierten Verkehr gedacht – Menschen gibt es hier nur vereinzelt vorbeihuschend. Sich hier aufzuhalten macht keinen Spaß. Wie lässt sich also in Zukunft die Straße kreuzen, wenn PARKS da sind? Um dies zu testen, wurde ein Zebrastreifenteppich der Künstlerin Birgit Lindemann testweise über die Straße gelegt. Besucher*innen nahmen diese Gelegenheit wahr und spazierten entspannt über den Bullerdeich. PKWs und LKWs entschleunigten und ließen die Passant*innen gewähren. Einmal durchatmen tut selbst im Auto gut. Und den Bullerdeich gibt es auch im gemäßigten Tempo.

Bevor es schließlich zum letzten Programmpunkt im Südpol mit zahlreichen Konzerten geht, werden auf dem Alten Recyclinghof vor der Feuertonne gute Gespräche geführt, die wirbelnde Steighilfe bewundert und der Sommer als erste Phase nochmal leise und dann auch lauter mit dem letzten Konzert von Dancing Queen Maskulin verabschiedet. Nun geht’s ums Innehalten und Zurückblicken: Wie verliefen die vergangenen 10 Wochen? Welche Herausforderungen galt es zu bewältigen? Was war in diesem kurzen Zeitraum überhaupt umsetzbar? Was konnten PARKS bewirken? Welche Auswirkungen hat eine nachhaltige Entwicklung von PARKS für den Bestand?  Wie schnell lassen sich Grünräume transformieren? Wie geht es in 2020 weiter?

Jetzt wird reflektiert

Diese sowie viele weitere Punkte werden in einem mehrtägigen Reflexionsworkshop Anfang November untersucht, um daraus neue Methoden und Handlungsmöglichkeiten für die Parks der Zukunft zu generieren. Wer daran teilnehmen möchte: Am 2. November ist der Workshop für Interessierte und Begeisterte geöffnet. Kommt vorbei – um 15 Uhr geht’s los im Parkhaus am Bullerdeich 6.

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Wir bedanken uns mit vollen Herzen vor Glück und Erstaunen bei all den wundervollen Akteur*innen, die größtenteils ehrenamtlich mit ihren Ideen und Visionen uns diesen unvergesslichen Sommer bereitet haben und PARKS zu dem haben wachsen lassen, was sie jetzt sind. Bei Euch möchten wir uns natürlich auch bedanken, denn ohne Euch wären PARKS nur halb so spannend. Wir sagen Tschüß, Adieu, Baba, goodbye und auf Wiedersehen bei PARKS 2020!